Am 1.3.10 war ein schöner kleiner Fleck auf der Sonne sichtbar. Die zugehörige aktive Region hat die Bezeichnung AR1051 bekommen. Weil die Bedingungen für höher aufgelöste Aufnahmen erneut nicht gut genug waren (ich leide zusätzlich immer noch unter Dachfensterseeing), habe ich mal mit dem "Tuning-Ring" des PST gespielt. Mit diesem Ring kann man den Durchlass des Filters leicht verändern, wodurch sich das sich bietende Bild sehr stark verändert:
Links oben : Tuningring 100% gegen den Uhrzeigersinn gedreht
Rechts oben: 30% gegen den Uhrzeigersinn
Links unten: 30% im Uhrzeigersinn
Rechts unten: "on band"
100% im Uhrzeigersinn gedreht erhalte ich ein Bild, das man von einer Weißlichtaufnahme eigentlich nicht unterscheiden kann. Ich habe es in der Zusammenstellung weggelassen, weil es dem linken oberen Bild sehr stark ähnelt, aber weniger Details bietet.
Was geschieht beim Drehen des Tuning-Rads oder ähnlichen Vorrichtungen an Halpha-Teleskopen?
In der Normalstellung, unten rechts im Bild zu sehen, befindet man sich "auf der Halpha-Linie", d.h., man lässt nur Licht der Wellenlänge 656,28nm passieren. Dabei ist der Durchlass des Filters unter 1Å breit - das sind gerade mal 0,1nm! Zum Vergleich: sogenannte (und nicht billige) Schmalbandfilter haben Transmissionsfenster mit 20nm und mehr!
Durch Drehen des sogenannten "Tuning-Rings" verkippt man einen der beiden Interferenzfilter im Etalon (das Herzstück eines jeden Halpha-Teleskops). Interferenzfiltern eigen ist, daß sich deren Durchlass beim Verkippen ins kurzwellige Licht öffnet. Bei Sonnenfiltern redet man vom "blauen Flügel" der Halpha-Linie. Im Bild oben links ist der Durchlass ins Blaue weiter geöffnet als auf der Aufnahme rechts oben.
Oft liest man, daß man den Durchlass je nach Richtung auch ins langwelligere Licht öffnen kann (eine Art "infraroter Flügel" der Halpha-Linie), und auch auf den Aufnahmen scheint man Verschiedenes beobachten zu können auf den Bildern rechts oben und links unten. Ob dem wirklich so ist, kann ich nicht definitiv beantworten. Ich zweifle aber daran.
Was beobachtet man nun in diesem blauen Flügel?
Aus eigener Erfahrung sowie aus dem Physikunterricht kennt man den Doppler-Effekt: fährt ein Wagen mit einem Martinshorn auf uns zu, so hört sich der Ton höher an, entfernt sich der Wagen, klingt das Martinshorn tiefer. "Höher" entspricht einer kürzeren, "tiefer" einer längeren Wellenlänge. Dieser Effekt ist nicht nur beim Schall, sondern auch beim Licht beobachtbar.
Der Durchlass des Filters öffnet sich ins kurzwelligere Licht. Analog zum höheren Ton beim Schall, sieht man also verstärkt Phänomene auf der Sonne, die sich auf uns zubewegen, während die sich von uns wegbewegende Materie dunkler erscheint - immer relativ gesehen zum "On Band"-Bild rechts unten.
Viel Spaß beim Vergleichen!


